Der Literaturladen Wist in Potsdam war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Carsten Wist mit Felix Palent am Abend des 8. Oktober 2018 aus dem Buch von Steffen Schröder: ‘Was alles in einem Menschen passieren kann’. Begegnung mit einem Mörder., las.

Schröder, im Hauptberuf Schauspieler (SOKO Leipzig), schildert darin seine Erfahrungen als Vollzugshelfer eines zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Mörders. Danach diskutierten der Autor, der wegen stimmlicher Probleme nicht selbst lesen konnte, Carsten Wist und der Landtagsabgeordnete Volkmar Schöneburg zum Thema „Inhaftierung und Literatur“.

Schöneburg hob dabei hervor, dass sich in Schröders Buch wie in einem Brennspiegel die Verwerfungen und Probleme der totalen Institution Gefängnis zeigten. Der Strafvollzug gebe zwar vor, der Resozialisierung zu dienen, aber sei doch in erster Linie ein Ort der Fremdbestimmung, der Machtdemonstrationen, der Unterordnung, der Anpassung, der Vereinsamung, der Gewalt, der unterdrückten Sexualität und Verrohung. Daran habe sich im Wesentlichen seit der „Geburt des Gefängnisses“ (Foucault) nicht viel geändert, was auch die literarischen Widerspiegelungen von Dostojewski („Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“), Hans Fallada („Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“, „Der Trinker“), die beide mehrere Jahre Knasterfahrung aufzuweisen haben, oder eben Schröder belegten. Fallada bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: Bei der Bestrafung gebe man Lebenszeit für die Tat. Alles andere sei unwahres Gerede. Das führte Schöneburg zu einer Aussage und Frage des Kriminologen Sebastian Scheerer: „Strafe muss sein! Muss Strafrecht sein?“.